„Echte“ Sterbekassen und ihre Angebote: Ein unvollständiger Überblick

19. Oktober 2015

Inhaltsverzeichnis

    • Sterbegeld bei den kleinen Anbietern
  • Sterbekassen in Deutschland
  • Was unterscheidet Sterbekassen von Sterbegeldversicherungen?
  • Leistungen bei Sterbekassen nicht garantiert
  • Zentrale Interessenvertretung im Deutschen Sterbekassenverband
  • Die Sterbekasse der Deutschen Bank
  • Die Bayer Sterbekasse
  • Die Sterbekasse der BASF
  • Das Comeback der Sterbekasse im Versicherungsmantel
  • Fazit

Sterbegeld bei den kleinen Anbietern

Klassische Sterbekassen können eine Alternative zu Sterbegeldversicherungen sein – allerdings nicht für jeden. Das Gesetz räumt Sterbekassen Erleichterungen bei den regulatorischen Rahmenbedingungen ein, verlangt aber die Beschränkung des Angebots auf bestimmte, klar umrissene Gruppen wie z. B. Berufe oder Angestellte eine bestimmten Unternehmens.

Sterbekassen in Deutschland

bullet_point_check 53 VAG gilt nicht für „kleine Vereine“
bullet_point_check Sterbekassen gibt es z. B. in Unternehmen und für bestimmte Berufsgruppen
bullet_point_check Vor allem große Unternehmen betreiben Kassen für ihre Mitarbeiter
bullet_point_check Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind weniger streng als bei Versicherungen
bullet_point_check Sterbekassen bieten weniger Garantien als große Versicherer

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Was unterscheidet Sterbekassen von Sterbegeldversicherungen?

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In Untersuchungen von Verbraucherschutzorganisationen wie z. B. der Stiftung Warentest, aber auch bei vielen Vergleichsportalen werden die Angebote von Sterbegeldversicherungen im Mantel einer Lebensversicherung häufig mit den Angeboten klassischer Sterbekassen gleichgesetzt bzw. es wird keine gesonderte Differenzierung zwischen beiden Varianten vorgenommen.

Sterbekassen im engeren Sinn sind kleinere Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, die unter die Regelungen des § 53 VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz) fallen. Das hat Auswirkungen auf die regulatorischen Rahmenbedingungen. Für Versicherungsnehmer sind insbesondere drei  Umstände relevant: Erstens ist eine Versicherung gegen Entgelt nicht ohne Mitgliedschaft im Verein möglich, zweitens dürfen Sterbekassen nur „sachlich, örtlich oder dem Personenkreis nach eng begrenzt“ aktiv sein und drittens sind die Leistungen anders als bei Lebensversicherern nicht garantiert.

Die besten Sterbegeld Anbieter im Vergleich

Leistungen bei Sterbekassen nicht garantiert

Icon_Content_ChecklisteInsbesondere auf letzteren Fakt weist auch der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in einer Stellungnahme zu einer Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2009 hin. Der GDV bemängelt: „(…)So werden in dem Vergleich die Angebote von Sterbekassen und Versicherern weitgehend undifferenziert gegenübergestellt. Dies ist nicht sachgerecht, da Sterbekassen aufgrund der Möglichkeiten zur Anpassung von Beitrag und Leistung, die ihnen zur Verfügung stehen, anders kalkulieren als Versicherer, die Beitrag und Leistung garantieren. Dieser Unterschied muss bei einem Vergleich berücksichtigt werden.(…)“

Wenn Beitrag und Leistung angepasst werden können, sehen sich Versicherungsnehmer einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt: Kann der Versicherer – z. B. infolge einer anhaltenden Niedrigzinsphase – seine zugesagten Leistungen nicht decken, kann die Versicherungssumme gekürzt werden. Angehörige müssen dann im Todesfall womöglich mit einer zu geringen Auszahlung rechnen, die die Kosten der Bestattung nicht abschließend deckt. Eine Anhebung der Versicherungsprämien kann insbesondere ärmeren Ruheständlern zu schaffen machen.

Umgekehrt ermöglichen die weniger strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen und die geringeren Anforderungen an Rückstellungen dem Versicherer eine bessere Ertragslage und eine flexiblere Reaktion auf sich ändernde Marktbedingungen.

Zentrale Interessenvertretung im Deutschen Sterbekassenverband

Der Deutsche Sterbekassenverband mit Sitz in Bochum stellt sich auf seinem Internetauftritt als „einzige Interessenvertretung der deutschen Sterbekassen“ vor. Der Verband  wurde 1950 gegründet und zählt nach eigenen Angaben 300 Sterbekassen und 700 Einzelpersonen zu seinen Mitgliedern. Der Verein veröffentlicht eine Anlageverordnung für seine Mitglieder und führt ein nach Postleitzahlen geordnetes Register über Sterbekassen in ganz Deutschland. Die Beiträge für Mitgliedschaften von Sterbekassen werden in Abhängigkeit von der Anzahl der jeweiligen Vereinsmitglieder festgelegt. Für größere, aufsichtspflichtige Bundeskassen gilt eine abweichende Beitragsstaffelung.

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Abgesehen von den rechtlichen Rahmenbedingen und der Organisation unterscheiden sich Sterbekassen nicht grundlegend von Sterbegeldversicherern: Der wesentliche Zweck der Vereine besteht darin, die Mitglieder bzw. deren Angehörige im Todesfall durch eine Geldleistung zu entlasten. Der Anspruch auf die Geldleistung wird durch einmalige oder regelmäßige Einzahlungen erworben.

Die ersten Einrichtungen dieser Art wurden in Deutschland bereits im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts gegründet und gingen primär von berufsständischen Organisationen – Gesellenvereinigungen, Zünfte etc. aus. In den Anfängen wurden die zur Beisetzung notwendigen Gelder kurzfristig von anderen Mitgliedern erhoben. Im Laufe der Zeit wurde das Kassensystem und damit die langfristige Anlage entwickelt. Manche Quellen berichten von den Sterbekassen vergleichbaren Einrichtungen bereits im alten Rom.

Heute wird ein beträchtlicher Teil der Sterbekassen in Deutschland durch Großunternehmen betrieben. Die Mitgliedschaft ist dann zumeist Angestellten vorbehalten, kostenpflichtig und nicht automatisch Bestandteil des Arbeitsvertrages. Es lohnt sich, die Angebote einiger DAX-Konzerne unter die Lupe zu nehmen.

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Die Sterbekasse der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank bewirbt die „db Sterbekasse“ relativ  offensiv: „Absicherung für den Todesfall ist heute sinnvoller denn je. Denn es gibt kein gesetzliches Sterbegeld mehr, höhere Kommunalgebühren und Steuern haben Bestattungen teurer gemacht. Die Kosten für eine durchschnittliche Beerdigung erreichen heute rasch 5.000 EUR und mehr. Private Vorsorge tut deshalb Not – um der Familie neben dem persönlichen Verlust finanzielle Engpässe zu ersparen.

Die Kritik von Verbraucherorganisationen an Sterbegeldversicherungen allgemein trifft uns nicht, da wir unseren Mitgliedern exzellente Konditionen bieten, wie Garantieverzinsung  über Marktniveau, dazu Boni und Gewinnzuschläge, die für Toprenditen sorgen. Unsere Sterbegeldversicherung ist dadurch nicht nur Vorsorge, sondern auch interessante Kapitalanlage.“

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Die Mitgliedschaft steht Beschäftigten der Deutsche Bank-Gruppe offen. Zum Zeitpunkt des Eintritts darf das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet worden sein. Die Aufnahme bedingt eine Gesundheitserklärung. Möglich sind Versicherungssummen von 600-7.800 €. Im April 2015 belief sich der Monatsbeitrag pro 600 € Versicherungssumme bei einem Eintrittsalter von 50 Jahren auf 3,16 €. Der direkte Zusammenhang zwischen Eintrittsalter und Monatsbeitrag gilt bei Sterbekassen genauso wie bei Sterbegeldversicherungen Wird das Arbeitsverhältnis beendet, können die Verträge ohne Änderungen fortgeführt werden.

Auch Sterbekassen (größerer) Unternehmen müssen bei der Verteilung von Überschüssen die gesetzlichen Regelungen beachten und dabei insbesondere das Gleichbehandlungsgebot für alle Mitglieder wahren. Die Deutsche Bank erklärt zur Überschussverwendung ihrer Sterbekasse:

„Grundsätzlich gilt: Alle Mitglieder unserer Kasse müssen gleich behandelt werden. Das heißt, der von den Beiträgen aller Mitglieder erwirtschaftete Überschuss, aus dem sowohl die Garantieverzinsung als auch, bei ausreichender Höhe, ein Bonus finanziert wird, muss gleichmäßig auf alle Versicherungen verteilt werden – unabhängig davon, ob sie mit einer Garantieverzinsung von 3,5 % (Altverträge) oder 1,75 % (Unisexverträge) ausgestattet sind.

Basis für die Verteilung ist die für jede Versicherung individuell gebildete Deckungsrückstellung, deren Höhe von den Beiträgen und der bisherigen Versicherungsdauer abhängt. Beträgt der zu verteilende Überschuss eines Jahres zum Beispiel 5,5 % der für alle Versicherungen vorhandenen Deckungsrückstellung, muss die Deckungsrückstellung jedes Vertrages, unabhängig von seiner Garantieverzinsung, um 5,5 % erhöht werden. Dies kann nur durch eine unterschiedliche Bonushöhe – 2 % für Altverträge bzw. 3,75 % für Unisexverträge – erreicht werden, die den unterschiedlichen Garantiezins ausgleicht.Eine andere Verteilung würde keine Zustimmung der Aufsichtsbehörde (BaFin) bekommen.“

Die Bayer Sterbekasse

Auch der Chemiekonzern Bayer unterhält mit der „Bayer Beistandskasse“ eine Sterbekasse für Angestellte des Unternehmens. Der Verein wurde im Jahr 1923 gegründet. Möglich sind Versicherungssummen von 1.000-5.500 €. Überschüsse werden alle drei Jahre an die Mitglieder verteilt. Die Aufnahme ist bis zum 65. Lebensjahr möglich, Verträge werden auch nach einem Ausscheiden aus dem Unternehmen weitergeführt. Das gilt auch für Ehepartner von Angestellten des Konzerns im Fall einer Scheidung.

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Tritt ein Versicherungsnehmer vorzeitig aus dem Vertrag aus und bestand die Mitgliedschaft zumindest drei Jahre lang, wird eine Austrittsvergütung in Höhe von 95% der geschäftsplanmäßigen Deckungsrückstellung gewährt. Im Jahr 2014 wies die Bayer Sterbekasse knapp 82.000 Mitglieder und eine Bilanzsumme in Höhe von gut 217 Mio. € aus.

Das Beispiel der Bayer Beistandskasse verdeutlicht, dass klassische Sterbekassen von Ereignissen wie Hyperinflation und Währungsreform potenziell genauso betroffen sind wie Lebensversicherer. Zugleich macht ein Blick auf die jüngere Geschichte des Vereins deutlich, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen eine stärkere Gewichtung von inflationssicheren Anlagen im Deckungsvermögen erlauben.

In der historischen Darstellung des Vereins ist zur Nachkriegszeit, der Währungsreform von 1948 und den in den Folgedekaden getroffenen Entscheidungen zu lesen: „Durch die Geldentwertung ging das Kassenvermögen bis auf einen schmalen Rest verloren. Die Firma half mit Darlehen aus, damit die Sterbegelder ausgezahlt werden konnten. Nach der Währungsreform zum 21. Juni 1948 übernahm der Staat den Ausgleich der in schwierigen „Umstellungsrechnungen“ ermittelten Währungsverluste, die noch bis 1994 in den Bilanzen der Kasse als „Ausgleichsforderung“ zu Buch standen.

Angesichts der herrschenden Wohnungsnot, vielleicht auch beeinflusst durch die schmerzliche Erfahrung mit der Währungsreform, ging die Kasse in den 50er und 60er Jahren dazu über, ihr Deckungsvermögen durch den Bau von über 300 Wohnungen so wertbeständig wie möglich anzulegen. Mitte der 70er Jahre waren die Anlageaktivitäten geprägt durch die Auflage der ersten Wertpapier Spezialfonds. Mit einem Anteil von mehr als 50% der Kapitalanlagen dominieren die Fonds bis zum heutigen Tage das Anlagegeschäft. Mit der wachsenden Zahl der Mitglieder stieg dann auch das Vermögen der Kasse und es erhöhten sich vor allem aber auch ihre Leistungen.“

Die Sterbekasse der BASF

Mit der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik (BASF) betreibt ein weiterer DAX-Konzern eine Sterbekasse für Konzernzugehörige. Anders als im Fall der Deutschen Bank und bei Bayer verwaltet die Kasse des Ludwigshafener Chemiekonzerns allerdings nur noch Altbestände. Seit dem 01.12.2012 sind keine Neueintritte und Aufstockungen bestehender Verträge mehr möglich.

Es kann nur spekuliert werden, ob die Schließung mit dem am 21.12.2012 in Kraft getretenen EuGH-Urteil zu Unisex-Verträgen im Zusammenhang steht. Das Urteil schreibt Versicherern den Verzicht auf geschlechtsspezifische Tarife vor, was insbesondere im Hinblick auf die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen relevant ist. Weibliche Versicherungsnehmer müssten grundsätzlich einen niedrigeren Beitrag zahlen, da ihre Lebenserwartung und damit auch die Dauer der statistisch zu erwartenden Beitragszahlung über die männlicher Versicherter hinausgeht.

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Das Comeback der Sterbekasse im Versicherungsmantel

Belastbare Untersuchungen zur Entwicklung der Sterbekassen gibt es nicht. Vieles spricht dafür, dass die Bedeutung der Angebote in Zukunft eher abnehmen als zunehmen wird. So werden viele Sterbekassen derzeit von regulären Versicherern aufgekauft. Im März 2014 berichtete der „Tagesspiegel“ über Akquisitionsbemühungen der Ideal Versicherung: „101 Jahre nach ihrer Gründung kehrt die Berliner Ideal-Versicherung zu ihren Wurzeln zurück. „Wir sind mit mehreren Sterbekassen in Verhandlungen, um ihre Bestände zu übernehmen“, sagte Vorstandschef Rainer Jacobus am Donnerstagabend. Das Unternehmen, das heute vor allem Pflege- und Lebensversicherungen für Senioren vertreibt, ist aus einem Neuköllner Versicherungsverein hervorgegangen: Für 20 Pfennig im Monat bot dieser Berlinern Anfang des 20. Jahrhunderts eine Feuerbestattung an. Jetzt will die Ideal-Versicherung das Geschäft mit der Sterbegeldversicherung wieder ausbauen. Vor einem Jahr hat das Unternehmen bereits die Rheinisch-Westfälische Sterbekasse, den Sterbegeld-Versicherer der Axa-Gruppe, übernommen.“

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Die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase  – die Lebensversicherer aufgrund der strengeren Regulierung eigentlich härter treffen sollte als Sterbekassen im Mantel eines kleineren Vereins – hat offenbar nicht zu Wanderungsbewegungen der Kundschaft zugunsten der Kassen geführt.

Fazit

Icon_Content_FazitSterbekassen dienen demselben Zweck wie Sterbegeldversicherungen, fallen aber unter etwas andere gesetzliche Regelungen. Insbesondere erfordert der Abschluss des Vertrags eine Vereinsmitgliedschaft, die häufig nur Mitarbeitern eines bestimmten Unternehmens möglich ist. Anders als Lebensversicherer können Sterbekassen Leistungen und Beiträge im Zeitverlauf anpassen. Im Hinblick auf die Regelungen zu Unisex und Überschussbeteiligungen ergeben sich dagegen kaum spürbare Unterschiede.

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