Garantiezins und Überschussbeteiligung: Welche Rendite bringt Sterbegeld?

19. Oktober 2015

Inhaltsverzeichnis

    • Renditechancen einer Lebensversicherung
  • Wie setzt sich die Rendite von Sterbegeldversicherungen zusammen?
  • Ertragskomponente I: Der Garantiezins
  • So hat sich der Garantiezins entwickelt
  • Das Versicherungsaufsichtsgesetz regelt den Garantiezins
  • Ertragskomponente II: Die Überschussbeteiligung
  • Laufende Überschussbeteiligung und Schlussbonus
  • Überschüsse können direkt von der Versicherungsprämie abgezogen werden
  • Wie legen Versicherer das Geld ihrer Kunden an?
  • Fast 90 % werden in Rentenpapiere investiert
  • Lebensversicherer leiden unter Niedrigzinsphase
  • Wende am Anleihemarkt wird herbeigesehnt
  • Fazit

Renditechancen einer Lebensversicherung

Sterbegeldversicherungen sind Lebensversicherungen: Neben einer Risikokomponente wird ein Teil der Prämien in den Deckungsstock der Versicherer eingezahlt. Dieser erzielt Renditen, die Versicherungsnehmern in Form der Garantieverzinsung, durch Überschussbeteiligungen und einen Schlussbonus zugute kommen. 

[/BOX]

Wie setzt sich die Rendite von Sterbegeldversicherungen zusammen?

bullet_point_check Gesamtverzinsung besteht aus Garantiezins, Überschussbeteiligung und Schlussbonus
bullet_point_check Garantiezins gilt für die gesamte Vertragslaufzeit
bullet_point_check Garantiezins für Neuverträge ab 01.01.15: 1,25%
bullet_point_check Versicherer erzielen Renditen durch Anlagen ihres Deckungsstocks
bullet_point_check Der Großteil der Anlagen entfällt auf zumeist sichere Anleihen 

Monuta Sterbegeldversicherung beantragen

Für jede Sterbegeldversicherung wird eine sogenannte Garantieverzinsung angegeben: Das ist die jährliche Verzinsung, die der Versicherer für Gutschriften auf dem Vertragskonto garantiert. Der landläufig als „Garantiezins“ bezeichnete Zinssatz wird in der Deckungsrückstellungsverordnung als Höchstrechnungszins bezeichnet.

Ertragskomponente I: Der Garantiezins

Der Höchstrechnungszins wird durch das Bundesfinanzministerium festgelegt, das bei seinen Entscheidungen fast immer den Empfehlungen der Deutschen Aktuarvereinigung folgt. Der Höchstrechnungszins versteht sich als Obergrenze: Einen höheren Zinssatz dürfen Versicherer ihren Kunden bei Vertragsabschluss nicht garantieren.

Die Obergrenze dient dazu, unsolide Versprechungen der Versicherer im Wettbewerb zu vermeiden. Würden Versicherer zu hohe Renditen versprechen, müssten in der Folge höhere Risiken eingegangen werden, wodurch das Konzept der Lebensversicherung insgesamt infrage gestellt würde.

Der beim Vertragsabschluss festgelegte Garantiezins – dieser entspricht bei fast allen Versicherern und fast allen Verträgen dem jeweils gültigen Höchstrechnungszins laut Verordnung – gilt für die gesamte Dauer des Vertrages. Für im Jahr 2015 abgeschlossene Verträge gilt ein Garantiezins in Höhe von 1,25 %. Die Garantieverzinsung wurde in den vergangenen Jahren mehrfach und insgesamt sehr deutlich abgesenkt.

Sterbegeld Anbieter unter der Lupe: In unserem Vergleich

So hat sich der Garantiezins entwickelt

Bis Juni 2000 lag der durch das Finanzministerium festgelegte Garantiezins noch bei 4,0 %. Im Juli 2000 erfolgte eine Absenkung auf 3,25 %, im Januar 2004 kam es erneut zu einer Senkung auf 2,75 %. Im Januar 2007 folgte schließlich eine Absenkung auf 2,25 %, der im Januar 2012 sowie im Januar 2015 zwei weitere Zinssenkungen auf zunächst 1,75 % und 1,25 % folgten.

Die Entwicklung des Garantiezinssatzes hängt maßgeblich von der allgemeinen Zinsentwicklung am Kapitalmarkt ab. Sinken die Renditen am Anleihemarkt, sinkt auch die Garantieverzinsung. Das kann nicht verwundern: Lebensversicherer investieren einen wesentlichen Teil ihres Deckungsstocks in festverzinsliche Wertpapiere und nur einen sehr kleinen Teil in Aktien, Rohstoffe oder Immobilien.

Streng genommen hätte der Garantiezins in den vergangenen Jahren noch deutlich stärker abgesenkt werden müssen. § 65 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) thematisiert die Regelungen zu Deckungsrückstellungen der Lebensversicherer. Darin wird das Bundesfinanzministerium ermächtigt, für Lebensversicherungsverträge mit einer Garantieverzinsung einen Höchstrechnungszins festzulegen.

monuta_erfahren-sie-was-wichtig-ist

Das Versicherungsaufsichtsgesetz regelt den Garantiezins

Icon_Content_ChecklisteAuszugehen ist aber laut Gesetz „vom jeweiligen Zinssatz der Anleihen des Staates, auf dessen Währung der Vertrag lautet, wobei der jeweilige Höchstwert nicht mehr als 60 vom Hundert betragen darf; hiervon können Versicherungsverträge in Anteilseinheiten, gegen Einmalprämie bis zu einer Laufzeit von acht Jahren, Versicherungsverträge ohne Überschussbeteiligung sowie Rentenversicherungsverträge ohne Rückkaufswert ausgenommen oder für sie höhere Höchstwerte festgesetzt werden“. Gemessen daran hätte der Garantiezins der Lebensversicherer auf Werte deutlich unter 0,5 % gesenkt werden müssen.

Das Finanzministerium hat sich aber entschieden, den durch das Gesetz eingeräumten Spielraum zu nutzen und die Garantieverzinsung angesichts der historisch niedrigen Renditen am Anleihemarkt nicht in vollem Umfang an die Marktentwicklung anzupassen. Das ist womöglich auch auf Eingaben der Versicherungswirtschaft zurückzuführen, die angesichts der stark gesunkenen Garantierenditen um ihr Neugeschäft bangt.

Sparer, die Lebensversicherungen neu abschließen, werden durch die starke Absenkung des Höchstrechnungszinses tendenziell benachteiligt. Schließlich muss der Versicherer die Zusagen an Kunden aus früheren Jahren einhalten. Deren Garantiezinssätze liegen jedoch zum Teil deutlich über den Renditen, die sich mit festverzinslichen Wertpapieren noch erwirtschaften lassen. Das führt zwangsläufig zu einer geringeren Überschussbeteiligung.

Ertragskomponente II: Die Überschussbeteiligung

Die Überschussbeteiligung ist die zweite wesentliche Komponente der Gesamtverzinsung einer Lebensversicherung. Die Versicherer werden durch das Gesetz verpflichtet, die Garantiezusagen ihre Kunden vorsichtig zu kalkulieren. Deshalb – und aufgrund einer möglichen, unerwartet positiven Entwicklung der Erträge des Deckungsstocks – können Überschüsse erwirtschaftet werden, die an die Versicherungsnehmer ausgeschüttet werden.

Der größte Teil dieser Ausschüttungen entfällt auf die laufende Überschussbeteiligung. Der Versicherer ermittelt dafür seinen Überschuss und deklariert diesen für jeden einzelnen Vertrag. Nach der Gutschrift der Überschussbeteiligung auf dem Vertragskonto hat sich die Garantiesumme der Versicherung um den gutgeschriebenen Betrag unwiderruflich erhöht. Zusätzlich zur laufenden Überschussbeteiligung schütten die Versicherer einen Schlussbonus aus, wenn Lebensversicherungsverträge regulär beendet werden.

Laufende Überschussbeteiligung und Schlussbonus

Icon_Content_GebuehrenDer Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GdV) erklärt den Unterschied zwischen laufender Überschussbeteiligung und Schlussbonus so: „(…) Die laufende Überschussbeteiligung wird jedes Jahr vom Versicherer festgelegt („deklariert“) und dem jeweiligen Vertrag im folgenden Geschäftsjahr gutgeschrieben. Durch die Deklaration erwerben die Kunden einen unwiderruflichen Anspruch – das Geld ist ihnen somit Jahr für Jahr sicher. Der Anteil der Versicherungsnehmer am erzielten Überschuss eines Jahres muss aber nicht vollständig ausgeschüttet werden. Der Versicherer kann einen Teil erst einmal zurücklegen und zum Aufbau von Sicherheitspuffern und Ausgleichsmechanismen nutzen. An ihm werden die Kunden zu einem späteren Zeitpunkt beteiligt, in Form des Schlussüberschusses. Dieser wird ausgezahlt, wenn der Versicherungsvertrag regulär beendet wird.“

Bei Sterbegeldversicherungen wird der Schlussbonus gezahlt, wenn der Versicherungsnehmer verstirbt. Die Überschussbeteiligung und der Schlussbonus führen dazu, dass die Auszahlungssumme der Sterbegeldversicherung regelmäßig über der vereinbarten Garantiesumme liegt. Das ist jedenfalls der Fall, wenn die laufenden Prämien als Bruttobeitrag entrichtet und die ausgeschütteten Überschüsse nicht direkt von den Zahlungen an die Versicherung abgezogen werden.

Monuta Sterbegeldversicherung beantragen

Überschüsse können direkt von der Versicherungsprämie abgezogen werden

Entscheiden sich Versicherungsnehmer für einen Nettobeitrag, wird in jedem Versicherungsjahr neu ermittelt, wie hoch der jeweilige Überschuss ausfällt und wie stark der Bruttobeitrag dadurch reduziert werden kann. Viele Versicherer rechnen in ihren werblichen Angeboten explizit mit dem Nettobeitrag, um mit niedrigen Prämien punkten zu können. Es kann allerdings Vorteile haben, auf die sofortige Verrechnung zu verzichten.

So gilt es zu berücksichtigen, dass Sterbegeldversicherungen häufig erst nach 10,15 oder 25 Jahren ausgezahlt werden. Zwischen Vertragsabschluss und Tod können die Preise für Bestattungen und damit verbundene Dienstleistungen dementsprechend deutlich gestiegen sein. Die Überschussbeteiligung wirkt in diesem Zusammenhang wie ein Inflationsausgleich und kann die Angehörigen vor einer faktischen Unterversicherung durch gestiegene Preise schützen.

Wie legen Versicherer das Geld ihrer Kunden an?

Icon_Content_FAQsLebensversicherer müssen bei der Anlage der ihnen anvertrauten Gelder umfangreiche gesetzliche Vorschriften beachten. So ist es in Versicherern insbesondere verboten, zu große Risiken in ihre Portfolios aufzunehmen. Nicht ganz unproblematisch, an dieser Stelle aber nicht abschließend zu behandeln ist der Interessenkonflikt des Gesetzgebers, der als Staat an einer niedrigen Bewertung des Risikos für Staatsanleihen durch das Gesetz interessiert ist  – und dieses Gesetz zugleich festlegt.

Der Großteil des Deckungsstocks eines Lebensversicherers ist in festverzinslichen Anleihen investiert. Neben Staatsanleihen zählen dazu auch Anleihen von Banken und Unternehmen. Die Versicherer investieren in der Regel nur in Anleihen mit einer überdurchschnittlichen Bonität und streuen ihre Anlagen über verschiedene Länder, Branchen und Laufzeiten. Etwa 80-90 % des Deckungsstocks werden in verzinsliche Wertpapiere investiert. Der Rest entfällt auf Aktien, Immobilienkredite und andere Anlagen.

Fast 90 % werden in Rentenpapiere investiert

Der Branchenverband GDV erläutert dazu: „Die Lebensversicherer sind Profis in der Kapitalanlage. Dieses gilt insbesondere im Bereich von Renten und festverzinslichen Wertpapieren. Denn seit jeher investieren sie den überwiegenden Teil der ihnen anvertrauten Kundengelder in diese Anlageform. Die Portfolios der Kapitalanleger werden aktiv verwaltet und kontinuierlich angepasst. Deutsche Lebensversicherer verwalten Kapitalanlagen in Höhe von 823 Milliarden Euro, von denen Ende vergangenen Jahres 88,5 Prozent in Rentenpapiere angelegt waren.

Diese dem Risiko angemessene Anlage ist für Lebensversicherer notwendig, um die Garantien aus Kundenverträgen jederzeit erfüllen zu können. Um ein ausbalanciertes Portfolio zu erhalten, investieren die Kapitalanleger ferner in Unternehmensanleihen und Aktien sowie in reale Wirtschaftsgüter wie beispielsweise Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen. Ein weiteres Anlagefeld bilden Investitionen in Infrastruktur und erneuerbare Energien.“

Zu Beginn des zweiten Absatzes wird ein weiterer wichtiger Zusammenhang erläutert, der nicht nur Lebensversicherer, sondern auch Pensionskassen betrifft: Wurden Garantiezusagen gemacht, führt ein sinkendes Zinsniveau am Rentenmarkt zu der Notwendigkeit, den Anleiheanteil im Portfolio zu erhöhen. Das bedeutet, dass ausgerechnet dann in Anleihen investiert werden muss, wenn deren Kurse besonders hoch sind.

Lebensversicherer leiden unter Niedrigzinsphase

Icon_Content_VorsorgeDie Lebensversicherer leiden deshalb stark unter der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase. Die Renditen am Anleihemarkt sind deutlich gefallen, so dass neu angelegtes Geld nur sehr geringe Renditen abwirft. Aus diesem Grund sind in den vergangenen Jahren mehrere Lebensversicherer in das Geschäft mit Immobilienfinanzierungen eingestiegen.

Wissenswert: Ein deutlicher Rückgang der Renditen am Anleihemarkt wirkt sich vor allem in der langfristigen Perspektive negativ auf die Erträge der Lebensversicherer aus. Kurzfristig entsteht dagegen sogar ein Gewinn. Das liegt am Funktionsprinzip von Anleihen. Steigt der Kurs einer Anleihe, sinkt zugleich die mit ihr erziehbare Rendite für den Käufer. Die deutlichen Zinsrückgänge der vergangenen Jahre gingen deshalb mit einem starken Kursanstieg bei festverzinslichen Wertpapieren einher. Werden die Kursgewinne realisiert, kann der damit vereinnahmte Gewinn jedoch nur zu den neuen, sehr niedrigen Renditen angelegt werden.

Aufgrund dieses Zusammenhangs konserviert der Deckungsstock eines Lebensversicherers die jeweils aktuelle Entwicklung am Anleihemarkt für einige Zeit. Steigen die Zinsen am Kapitalmarkt wieder an, steigen nicht sofort die Erträge der Lebensversicherer. Deren Deckungsstock besteht zu einem wesentlichen Teil aus gering verzinsten Papieren, die nur allmählich und über einen langen Zeitraum gegen höher verzinste Anleihen ausgetauscht werden.

Wende am Anleihemarkt wird herbeigesehnt

Die Lebensversicherer sehnen deshalb seit Jahren eine Zinswende herbei und sehen sich zumindest gemessen an den Stellungnahmen und Veröffentlichungen der Branchenverbände als Opfer der Niedrigzinspolitik, die gerne als „unnatürlich“ bezeichnet wird. Ein zu starker, ruckartiger Anstieg des Zinsniveaus könnte den Versicherern allerdings ebenfalls gefährlich werden. Schließlich macht ein solches Szenario die Kündigung bestehender Verträge bzw. die Beitragsfreistellung für Versicherungsnehmer attraktiv: Anstatt den alten Vertrag mit niedriger Garantieverzinsung weiter zu bedienen, wird ein neuer Vertrag abgeschlossen.

Lebensversicherungen sind in Deutschland ein wesentlicher Bestandteil der privaten Altersvorsorge und der Vermögensbildung. Es gibt insgesamt mehr als 90 Millionen Verträge. Über viele Jahrzehnte erzielten Inhaber von Lebensversicherungen sehr hohe Renditen von zum Teil deutlich über 5 %. Seit der Jahrtausendwende scheint die Glanzzeit des beliebtesten deutschen Anlageproduktes vorbei zu sein. Im Jahr 2015 sank die Gesamtverzinsung über die gesamte Branche betrachtet unter die psychologisch wichtige Marke von 4 %. Die Gesamtverzinsung von Neuverträgen fiel dabei noch deutlich geringer aus.

Fazit

Icon_Content_FazitSterbegeldversicherungen bieten bezogen auf den kapitalbildenden Anteil dieselben Renditechancen wie klassische Lebensversicherungen. Hier macht sich die seit Jahren anhaltende Niedrigzinsphase bemerkbar: Versicherer investieren das Geld ihrer Kunden überwiegend in festverzinsliche Anleihen, die immer weniger Rendite einbringen. Die Gesamtverzinsung setzt sich aus dem Garantiezins (1,25 % für 2015 abgeschlossene Verträge), der jährlichen Überschussbeteiligung und dem Schlussbonus zusammen.

Monuta Sterbegeldversicherung beantragen