Mit oder ohne Gesundheitsfragen: Welcher Tarif eignet sich?

19. Oktober 2015

Inhaltsverzeichnis

    • Leichter Zugang oder optimierter Beitrag?
  • Sterbegeldversicherung mit und ohne Gesundheitsfragen
  • Leistungsunterschiede zwischen Tarifen mit und ohne Gesundheitsfragen
  • Welche Fragen zur Gesundheit können prinzipiell gestellt werden?
  • Beispiele für Gesundheitsfragen bei mehreren Versicherern
  • Vorvertragliche Anzeigepflicht: Konsequenzen von Falschangaben
  • Versicherer können Antworten an HIS melden
  • Für wen eignen sich Sterbegeldversicherungen ohne Gesundheitsfragen?
  • Gesunde brauchen keinen sofortigen Todesfallschutz
  • Fazit

Leichter Zugang oder optimierter Beitrag?

Sterbegeldversicherungen sind mit und ohne Gesundheitsfragen erhältlich. Wer sich für den unkomplizierten Zugang ohne medizinische Fragebögen entscheidet, zahlt höhere Risikozuschläge und nimmt eine längere Wartezeit in Kauf. Dafür entfällt das Risiko leer ausgehender Angehöriger infolge einer versehentlichen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht.

Sterbegeldversicherung mit und ohne Gesundheitsfragen

bullet_point_check Keine Gesundheitsfragen: Höherer Beitrag und/oder längere Wartezeit
bullet_point_check Leistung während der Wartezeit nur bei Tod durch Unfall
bullet_point_check Bei Tarifen mit Gesundheitsfragen ist Ablehnung möglich
bullet_point_check Antworten werden auch anderen Versicherern bekannt
bullet_point_check Falschangaben können zum Verlust des Versicherungsschutzes führen

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Leistungsunterschiede zwischen Tarifen mit und ohne Gesundheitsfragen

Icon_Content_VergleichMit Sterbegeldversicherungen verhält es sich nicht anders als mit jedem anderen Produkt auch: werden an irgendeiner Stelle zusätzliche Leistungen geboten, muss dies entweder durch einen höheren Gesamtpreis oder durch Einbußen an anderer Stelle bezahlt werden. Die Annahmekriterien eines Versicherers sind ein entscheidender Bestandteil der Leistung. Je niedriger die Hürden für den Abschluss des Vertrages sind, desto größere Risiken ist der Versicherer bereit zu übernehmen.

Der entscheidende Teil der Annahmekriterien betrifft die Gesundheitsfragen. Wird ganz auf Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand und früheren Erkrankungen verzichtet, kann jeder Interessent die Versicherung abschließen und bei Eintritt des Versicherungsfalls eine Leistung verlangen. Gesundheitsfragen schließen dagegen Interessenten mit aktuellen oder früheren Vorerkrankungen aus und reduzieren damit das Risiko für die Versichertengemeinschaft.

Sterbegeldversicherungen ohne Gesundheitsfragen sind deshalb mit höheren Prämien verbunden. Darüber hinaus können die Wartezeiten im Vergleich zu Tarifen mit Gesundheitsfragen deutlich länger ausfallen. Mit höheren Prämien refinanziert der Versicherer die höheren Risiken, mit Wartezeiten tilgt er einen Teil davon wieder aus dem Bestand.

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Welche Fragen zur Gesundheit können prinzipiell gestellt werden?

Versicherungsunternehmen steht es grundsätzlich frei, welche Gesundheitsfragen gestellt werden. Es muss sich allerdings um Fragen zum Gesundheitszustand des Versicherungsnehmers, nicht etwa zu Erkrankungen innerhalb der Familie handeln. Die meisten Versicherer fragen darüber hinaus nicht nach den Ergebnissen von auf Initiative des Versicherungsnehmers durchgeführten Gentests bzw. geben im Fragebogen ausdrücklich an, dass solche Ergebnisse nicht angegeben werden müssen.

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Gesundheitsfragen müssen sich keinesfalls nur auf schwere Erkrankungen wie HIV, Krebs, Schlaganfall etc. beziehen. Auch Behandlungen wegen nicht genauer spezifizierten Rückenschmerzen, die Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten über einen Zeitraum von mehr als zwei Wochen und sogar Muskelverspannungen können Gegenstand der Abfrage sein. Je nach Versicherer und auch abhängig von jeder einzelnen Frage bezieht sich der Vorfragezeitraum auf die letzten 3-10 Jahre oder sogar das gesamte bisherige Leben.

Einige Versicherer haben für Sterbegeldversicherungen eigene Gesundheitsfragen entwickelt, andere nutzen dieselben Fragebögen wie bei anderen Versicherungssparten mit Bezug zu individuellen Gesundheitsrisiken, wie zum Beispiel der Berufsunfähigkeitsversicherung oder Risikolebensversicherung. Zumeist sind die Annahmekriterien in der Sterbegeldversicherung jedoch weitaus lockerer als bei bei Berufsunfähigkeitsversicherungen. Das hat einen einfachen Grund: in der Sterbegeldversicherung liegt das Risiko für den Eintritt des Versicherungsfalls bei regulärem Vertragsverlauf bei 100 %. Jeder Versicherungsnehmer verstirbt irgendwann und die Versicherungen sehen zumeist einen lebenslangen Versicherungsschutz vor.

Dennoch ergeben sich für die Versicherer aus unterschiedlichen Gesundheitsrisiken unterschiedliche Versicherungsrisiken. Aus Sicht eines Sterbegeldversicherers sind gesunde Kunden mit einer hohen verbleibenden Lebenserwartung deutlich günstiger, da diese Kunden noch für einen langen Zeitraum Beiträge einzahlen um dieselbe Versicherungsleistung zu erhalten, die kranke Versicherungsnehmer möglicherweise bereits nach wenigen Beitragsjahren in Anspruch nehmen.

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Beispiele für Gesundheitsfragen bei mehreren Versicherern

Icon_Content_ChecklisteNachfolgend sollen einige Beispiele für Gesundheitsfragen bei mehreren Versicherern aufgeführt werden. Dabei wird nicht ausschließlich auf Gesundheitsfragen mit direktem Bezug zu Sterbegeldversicherungen zurückgegriffen. Auch die Gesundheitsfragebögen anderer Sparten geben Aufschluss über Art und Inhalt der auf dem deutschen Versicherungsmarkt typischen Gesundheitsfragen.

Der Versicherer ERGO direkt bietet Tarife mit und ohne Gesundheitsfragen an. Wer sich für einen Tarif mit Angaben zum Gesundheitszustand entscheidet, muss zwei Fragen beantworten:

1. Bestehen oder bestanden bei Ihnen in den letzten fünf Jahren Alkohol- bzw. Drogensucht oder eine der nachfolgenden Erkrankungen: Krebs oder sonstige Tumore, Herz- und Kreislauferkrankungen, HIV/AIDS? 

2. Nehmen oder nahmen Sie innerhalb der letzten zwei Jahre über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen fortgesetzt apothekenpflichtige Medikamente ein? (Nicht zu berücksichtigen sind Antiallergika, Harnsäuresenker, Kontrazeptiva („Pille“) oder Schilddrüsenmedikamente).

Das Procedere bei der ERGO direkt Versicherungen ist übersichtlich gehalten und lässt relativ wenige Missverständnisse zu. Standard ist ein so kurzer Fragebogen keinesfalls, wie der Antrag der Allianz Versicherung für Berufsunfähigkeitsversicherungen beweist. Nachfolgend ein Auszug aus den Antragsunterlagen des Versicherers.

Fragebogen der Allianz zur BU:

„Gesundheitsfragen bei Einschluss von Beitragsbefreiung bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit oder bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsrente zur Beitragssicherung (auch Beitragssicherung für Riester) mit Jahreszahlbeitrag bis einschließlich 3.000 EUR

Die Fragen beziehen sich auf die letzten 5 Jahre:

  1. Waren Sie aus gesundheitlichen Gründen mehr als 14 Kalendertage durchgehend nicht in der Lage, Ihre berufliche ja nein Tätigkeit auszuüben?
  2. Waren Sie wegen Beschwerden oder Krankheiten des Rückens, des Bewegungsapparates, der Psyche, des Herzens ja nein oder des Kreislaufs in Beratung, Behandlung oder Untersuchung bei Ärzten, Heilpraktikern, Physio-, Psychotherapeuten, Psychologen oder sonstigen nichtärztlichen Therapeuten?

Hinweis: Haben Sie eine Frage mit ja beantwortet oder ist der Jahreszahlbeitrag für die gesamte beantragte Versicherung höher als 3.000 EUR, beantworten Sie bitte die gesamten Fragenblöcke C und D.

C Gesundheitsfragen bei Einschluss von Todesfallschutz, Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsrente oder bei Einschluss von Beitragsbefreiung bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit mit Jahreszahlbeitrag größer 3.000 EUR Evtl. durchgeführte Gentests müssen hier nicht angegeben werden (siehe Wichtige Hinweise, Ziffer 2).

Zeitlich unbefristete Fragen:

  1. Wurde bei Ihnen jemals eine HIV-Infektion festgestellt (z. B. durch einen HIV-Test)?
  2. Wurde bei Ihnen jemals eine Krebserkrankung festgestellt (z. B. bösartiger Tumor, Leukämie)? Die Fragen beziehen sich auf die letzten 10 Jahre:
  3. Haben stattgefunden oder sind für die nächsten 12 Monate ärztlich angeraten oder beabsichtigt: Krankenhaus-, Rehabilitations- oder Kuraufenthalte?

Ambulante Operationen bezüglich Tumoren, Bewegungsapparat, Sinnesorganen, Krampfadern?

  1. Konsumieren oder konsumierten Sie Drogen, drogenähnliche Substanzen oder Betäubungsmittel?

Werden oder wurden Sie wegen der Folgen von Alkoholgenuss beraten oder behandelt? 

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Die Fragen beziehen sich auf die letzten 5 Jahre:

  1. Sind oder waren Sie bei Ärzten, Heilpraktikern, Physio-, Psychotherapeuten oder sonstigen nichtärztlichen Therapeuten in Beratung, in Behandlung oder zur Untersuchung wegen Krankheiten oder Beschwerden in den folgenden Bereichen:
  2. a) Herz, Kreislauf (z. B. Erkrankung der Herzkranzgefäße, ärztl. diagnostizierter Bluthochdruck, Schlaganfall, Venenentzündung)?*
  3. b) Atmungsorgane (z. B. Lungenentzündung, chronische Bronchitis, Asthma)?
  4. c) Verdauungsorgane (z. B. Magen, Darm, Galle, Bauchspeicheldrüse, Leber)?*
  5. d) Harn-, Geschlechtsorgane (z. B. Nieren, Blase, Unterleib, Brust)?*
  6. e) Stoffwechsel (z. B. Diabetes *, erhöhtes Cholesterin von mehr als 250 mg/dl bzw. 6,47 mmol/l, Schilddrüsenerkrankungen)?*
  7. f) Bluterkrankungen (z. B. Bluter)?
  8. g) Psyche, Gehirn, Nervensystem (z. B. Depressionen, Bulimie, Suizidversuch, Multiple Sklerose, Migräne)?*
  9. h) Entzündliche Gelenks-, Bindegewebserkrankungen (z. B. Gelenkrheumatismus, chronische Arthritis, Bechterew)?*
  10. i) Infektionskrankheiten, Geschlechtskrankheiten, Tropenkrankheiten (z. B. Tuberkulose, Malaria)? Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand:
  11. Haben Sie derzeit oder hatten Sie in den letzten 3 Monaten Beschwerden in einem der unter Nr. 5 a) – i) genannten Bereiche?
  12. Werden Ihnen derzeit regelmäßig wegen der unter Nr. 2, 5 und 6 genannten Erkrankungen oder Beschwerden ja nein Medikamente verordnet? Falls ja: Welche?

Sofern Sie eine oder mehrere Fragen bejaht haben, bitten wir Sie, die Details im Fragenblock E zu ergänzen. Zusätzliche Frage nur bei Risikolebensversicherung:

  1. Sind Sie Nichtraucher?

Nichtraucher ist, wer in den letzten 12 Monaten vor Antragstellung aktiv kein Nikotin durch Rauchen zu sich genommen hat und auch beabsichtigt, in Zukunft Nichtraucher zu bleiben. Rauchen meint sowohl das Konsumieren von Tabak unter Feuer, beispielsweise den Genuss von Zigaretten, Zigarillos, Zigarren oder Pfeifen als auch das Konsumieren von Nikotin mittels Verwendung elektrischer Verdampfer wie beispielsweise E-Zigaretten, E-Zigarren oder E-Pfeifen.

Nur bei Risikolebensversicherung, wenn zum Tabakkonsum Nichtraucher angegeben wurde: Wichtige Erklärung zum Tabakkonsum der zu versichernden Person

Ich bin mir bewusst, dass unrichtige Angaben über das Rauchverhalten der zu versichernden Person eine Anzeigepflichtverletzung darstellen, die zum Verlust des Versicherungsschutzes führen kann. Ändert die zu versichernde Person ihren Nichtraucherstatus nach Vertragsabschluss, verpflichte ich mich, diese Gefahrerhöhung unverzüglich der Allianz Lebensversicherungs-AG bzw. der Deutschen Lebensversicherungs-AG schriftlich mitzuteilen, damit die Versicherung auf den entsprechenden Rauchertarif mit dem dafür erforderlichen Beitrag umgestellt werden kann. Mir ist bewusst, dass es zur rückwirkenden Prämienerhöhung oder Reduzierung des vertraglich vereinbarten Garantiekapitals führen kann, wenn ich diese Mitteilungspflicht verletze. Im Übrigen ist mir bewusst, dass der Versicherer den Nichtraucherstatus der zu versichernden Person auch während der Vertragslaufzeit überprüfen kann.

D Zusätzliche Fragen bei Berufsunfähigkeits- oder Erwerbsunfähigkeitsrente oder bei Einschluss von Beitragsbefreiung bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit mit Jahreszahlbeitrag größer 3.000 EUR

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Die Fragen beziehen sich auf die letzten 5 Jahre:

  1. Sind oder waren Sie in psychotherapeutischer Behandlung?
  2. Sind oder waren Sie wegen Rückenbeschwerden (z. B. Hexenschuss, Bandscheibenvorfall) in Beratung, Behandlung oder ja nein Untersuchung bei Ärzten, Heilpraktikern, Physiotherapeuten oder sonstigen nichtärztlichen Therapeuten?
  3. Sind oder waren Sie in Beratung, Behandlung oder Untersuchung bei Ärzten, Heilpraktikern, Physiotherapeuten oder ja nein sonstigen nichtärztlichen Therapeuten wegen Krankheiten oder Beschwerden der Kniegelenke (z. B. Meniskus, Bänderverletzung), Hüftgelenke, Schultern oder anderer Stellen im Bewegungsapparat?
  4. Haben oder hatten Sie Unfälle, Knochenbrüche oder Vergiftungen?
  5. Leiden oder litten Sie an einer Allergie (z. B. Heuschnupfen)? Falls ja: Wogegen sind Sie allergisch? Leiden oder litten Sie an Neurodermitis oder sonstigen Hauterkrankungen?
  6. Besteht eine Fehlsichtigkeit von 8 Dioptrien und mehr; haben oder hatten Sie eine sonstige Sehstörung oder Erkrankung der Augen (z. B. grauer oder grüner Star)?
  7. Haben oder hatten Sie eine Hörstörung, Ohrensausen (Tinnitus) oder eine andere Ohrenerkrankung?

Fragen zum aktuellen Gesundheitszustand:

  1. Besteht ein körperliches Gebrechen (z. B. Amputation), ein Organfehler oder eine angeborene Erkrankung?
  2. Beziehen, bezogen oder beantragten Sie eine Rente oder Pension wegen Unfalls oder aus gesundheitlichen Gründen?
  3. Besteht eine Schwerbehinderung (GdB), eine Wehrdienstbeschädigung (WDB) oder ist ein Grad der Schädigungs- ja nein folgen (GdS, ehemals MdE) festgestellt? ** Bitte geben Sie den Grad bzw. Prozentsatz an.
  4. Haben Sie derzeit oder hatten Sie in den letzten 3 Monaten Beschwerden in einem der unter 9 –18 genannten Bereiche?

Sofern Sie eine oder mehrere Fragen bejaht haben, bitten wir Sie, die Details im Fragenblock E zu ergänzen.“

Der Fragebogen der Allianz bezieht sich, wie dargelegt, nicht explizit auf eine Sterbegeldversicherung. Dennoch vermittelt er einen guten Eindruck über die notwendige Vorbereitungszeit, die sich Antragsteller im Vorfeld der Beantwortung der Fragen nehmen sollten. Hier gilt es zu bedenken, dass Versicherer bei der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung sowie bei Ärzten und Krankenhäusern Nachforschungen anstellen können und dies regelmäßig auch tun.

Solche Prüfungen werden jedoch nicht im Vorfeld des Vertragsabschlusses, sondern erst im Leistungsfall angestellt. Werden dann fehlerhafte Angaben festgestellt, kann dies den Versicherungsschutz kosten. Im Fall der Sterbegeldversicherung werden Angehörige dann zweifach belastet: Erstens entfällt die eingeplante Versicherungsleistung, zweitens muss mit dem Vorwurf der Falschangaben gegen den Verstorbenen gelebt werden.

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Vorvertragliche Anzeigepflicht: Konsequenzen von Falschangaben

Icon_Content_gesetzlichDie entscheidenden gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Gefährdung der Versicherungsleistung findet sich in § 19 VVG (Versicherungsvertragsgesetz). Dort ist festgelegt, dass Versicherer im Vorfeld des Vertragsabschlusses Fragen stellen dürfen und dass fehlerhafte Angaben ein Rücktrittsrecht des Versicherers im Leistungsfall begründen. Einzige Bedingung für das Rücktrittsrecht ist, dass der Versicherungsnehmer die Falschangaben entweder vorsätzlich oder grob fahrlässig begangen ist. Die Haltung der Rechtsprechung dazu ist klar: Versicherungsnehmer können sich keinesfalls auf ein „Versehen“ oder eine „Unachtsamkeit“ berufen. Das Weglassen von Informationen, nach denen im Fragebogen explizit gefragt wird, ist stets mindestens grob fahrlässig. Bei einer einfachen Fahrlässigkeit steht dem Versicherer lediglich ein Kündigungsrecht, nicht aber das Recht zur Verweigerung der Leistung bei bereits eingetretenem Versicherungsfall zu.

  • 21 VVG schränkt das Rücktrittsrecht des Versicherers allerdings in Teilen ein. Das Gesetz beschränkt den Zeitraum, in dem ein Rücktritt vom Vertrag möglich ist, für grobe Fahrlässigkeit des Versicherungsnehmers auf fünf Jahre ab Vertragsabschluss. Bei Vorsatz und Arglist gelten zehn Jahre. Auch wenn Falschangaben unter keinen Umständen ratsam und weder rechtlich noch sittlich zu vertreten sind, dürften viele Sterbegeldversicherungen im Zweifel unter die Regelung des §21 VVG fallen.

Tritt der Versicherer vom Vertrag zurück, werden Versicherungsnehmern in der Regel die bis zu diesem Zeitpunkt angelaufenen Rückkaufswerte erstattet. Wurde Beitragszahlung mit Verrechnung der Überschussanteile vereinbart und/oder erfolgt der Rücktritt bereits einige Jahre nach Vertragsabschluss, fallen diese zumeist sehr gering aus.

Versicherer können Antworten an HIS melden

Icon_Content_VerbrauchertippsVor allem jüngere Versicherungsnehmer sollten beim Antrag auf eine Sterbegeldversicherung das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft berücksichtigen. Werden im Rahmen des Antrags Gesundheitsfragen beantwortet, können die Antworten über das HIS auch anderen Versicherern zugänglich gemacht werden. Versicherer melden an das HIS nicht nur Auffälligkeiten im Leistungsfall, atypische Schadenhäufigkeiten und besondere Schadenfolgen, sondern auch erschwerte Risiken.

Bei der Informa Insurance Risk and Fraud GmbH ist dazu zu lesen: „Ein erschwertes Risiko ist z. B. in der Berufsunfähigkeitsversicherung gegeben, wenn eine Person etwa einen als besonders gefahrträchtig einzustufenden Beruf ausübt oder eine risikoerhöhende Vorerkrankung vorliegt. In beiden Fällen ist eine höhere Wahrscheinlichkeit gegeben, dass sich die Berufsunfähigkeit tatsächlich verwirklicht. Dem muss nach dem zu Frage 1 Ausgeführten mit einer besonderen Kalkulation des Versicherungsbeitrags Rechnung getragen werden.“

Anhand dieser Angaben wird und  deutlich, dass es zu Meldungen an das Hinweis- und Informationssystem auch ganz ohne Antrag auf Leistungen aus einem Versicherungsvertrag kommen kann. Versicherungsnehmer können sich nie ganz sicher sein, wie lange einmal gemeldete Daten im Bestand bleiben und auf welche in der Zukunft möglicherweise abzuschließenden Versicherungsverträge sich die ehrliche Antwort auf eine Gesundheitsfrage auswirken kann.

Für wen eignen sich Sterbegeldversicherungen ohne Gesundheitsfragen?

Icon_Content_FAQsSterbegeldversicherungen sind üblicherweise mit einer überschaubaren Versicherungssumme ausgestattet und müssen aufgrund des sehr einfach zu definierenden Versicherungsfalls (Tod der versicherten Person) nahezu immer zahlen – es sei denn, der Versicherer kann sich auf eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht gemäß Paragraf 19 VVG berufen und mit dem Hinweis auf grobe Fahrlässigkeit vom Vertrag zurücktreten.

Aufgrund der überschaubaren Versicherungssummen sind Sterbegeldversicherungen ohne Gesundheitsfragen nicht ausschließlich für Interessenten mit Vorerkrankungen geeignet. Auch Versicherungsnehmer, die jeglichen Rechtsstreit mit der Versicherung ausschließen oder generell so wenig Information zu ihrem Gesundheitszustand wie möglich preisgeben möchten sind mit den Tarifen besser bedient als mit solchen, bei denen umfangreiche Fragebögen auszufüllen sind. Die in absoluten Zahlen nur moderat höheren Prämien können dann als Gebühr für zusätzliche Sicherheit und Diskretion im Hinblick auf persönliche Daten interpretiert werden.

Gesunde brauchen keinen sofortigen Todesfallschutz

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Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass die weiter oben im Beitrag dargestellten, sehr umfangreichen Fragebögen nicht zwingend repräsentativ für alle Sterbegeldversicherungen auf dem deutschen Markt sein müssen. Tendenziell werden bei diesen Policen deutlich weniger Fragen gestellt. Die sehr detaillierten Fragebögen bei Berufsunfähigkeitsversicherungen resultieren nicht zuletzt aus dem Umstand, dass die Schadenhöhen aus Sicht des Versicherers vor allem bei jungen Versicherungsnehmer mit einer langfristigen Berufsunfähigkeit einen hohen sechsstelligen oder sogar einen siebenstelligen Bereich erreichen können. Bei Sterbegeldversicherungen übersteigt die Versicherungssumme selten 20.000 €, so das auch die Annahmekriterien etwas unkomplizierter gestaltet sind. Dennoch dürfen Gesundheitsfragen unter keinen Umständen auf die leichte Schulter genommen werden: wenn schon ein Versicherungsschutz erworben wird, sollte dieser im Leistungsfall auch zur Verfügung stehen.

Die tendenziell längeren Wartezeiten sollten für gesunde Versicherungsnehmer kein Problem darstellen, da bei den meisten Verträgen für die ersten 2-4 Jahre ohnehin ein sofortiger Unfallschutz gilt. Wer aufgrund seines Gesundheitszustandes damit rechnen muss, innerhalb dieser Zeit ohne Einwirkung eines Unfalls mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu versterben, wird die Gesundheitsfragen ohnehin nicht wahrheitsgetreu beantworten können.

Fazit

Icon_Content_FazitSterbegeldversicherungen mit Gesundheitsfragen sind zu günstigeren Beiträgen erhältlich und sehen häufig kürzere Wartezeiten vor. Werden die Gesundheitsfragen nicht mit akribischer Genauigkeit beantwortet, droht den Hinterbliebenen jedoch eine Auseinandersetzung mit dem Versicherer und dessen Rücktritt vom Vertrag. Die sicherste Variante sind deshalb Sterbegeldversicherungen ohne Gesundheitsfragen. Diese bieten einen weiteren Vorteil: die Angaben zum Gesundheitszustand werden nicht an das Informationssystem der Versicherungswirtschaft gemeldet.

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