Sterbegeld: Was raten die Verbraucherschützer?

19. Oktober 2015

Inhaltsverzeichnis

    • Sterbegeldversicherungen in der Kritik
  • Positionen von Verbraucherschützern und Gegenpositionen der Branche
  • Was sagt die Stiftung Warentest zu Sterbegeldversicherungen?
  • Rendite ist nicht das Primärziel einer Sterbegeldversicherung
  • Solidarität wird durch die bezahlt, die sehr alt werden
  • Versicherungswirtschaft kritisiert Verbraucherschützer
  • Fernere Lebenserwartung deutlich unter 85 Jahren
  • Die Testkriterien der Stiftung Warentest
  • Fazit

Sterbegeldversicherungen in der Kritik

Verbraucherschützer stehen Sterbegeldversicherungen tendenziell kritisch gegenüber. Doch wie begründen Stiftung Warentest und Co. dieses Urteil und wie positioniert sich die Branche gegen den  häufig geäußerten Vorwurf, eine überflüssige Versicherung zu verkaufen? Ein Überblick über Positionen und Debatten rund um die Sterbegeldversicherung.

Positionen von Verbraucherschützern und Gegenpositionen der Branche

bullet_point_check Verbraucherschützer halten Sterbegeld für keine sinnvolle Versicherung
bullet_point_check Argumente: Die Policen seien zu teuer und oft unnötig
bullet_point_check Versicherungsbranche hält dagegen: Analysen basieren auf den falschen Annahmen
bullet_point_check Argumente: Es kann keine identische Lebenserwartung für alle Menschen unterstellt werden

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Die Verbraucherschüter der Stiftung Warentest haben sich in den vergangenen Jahren mehrfach mit Sterbegeldversicherungen auseinandergesetzt und ein insgesamt wenig positives Fazit gezogen. Die Policen seien zu teuer und könnten gar eine „Falle für Senioren“darstellen. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat zu den Veröffentlichungen der Stiftung Warentest Stellung bezogen und umfangreiche Gegenpositionen veröffentlicht. Die Branche vertritt selbstredend Geschäftsinteressen, den Verbraucherschützern wird von mancher Seite Voreingenommenheit unterstellt. So wird z. B. die zumeist sehr positive Darstellung von staatlich geförderten Riester-Versicherungen kritisiert.  Wer hat Recht?

Was sagt die Stiftung Warentest zu Sterbegeldversicherungen?

Icon_Content_FAQsIm Jahr 2007 titelte die Stiftung Warentest zur Sterbegeldversicherung: „Falle für Senioren“ und ging mit der Versicherungswirtschaft hart ins Gericht: „Um älteren Menschen Sterbegeldversicherungen zu verkaufen, legen Versicherungsvertreter gerne ein Tremolo in die Stimme: „Ein Todesfall kann leicht zu einem erheblichen finanziellen Problem für die Familie werden“, reden sie ihrem Gegenüber ein schlechtes Gewissen ein.

Die Masche zieht. Die Angebote verkaufen sich so gut, dass sie in der Branche als „Türöffnerprodukt“ gelten: Wer eine Sterbegeldversicherung kauft, ist auch empfänglich für private Pflege- und Rentenversicherungen. Fast alle Lebensversicherer bieten die Sterbepolicen an, manche zusammen mit gesetzlichen Krankenkassen.“

Die Verbraucherschützer kritisieren insbesondere, dass die Einzahlungen in die Police die Versicherungssumme übersteigen könnten: „Die Vorsorge ist teuer. Die Einzahlungen über die gesamte Laufzeit übersteigen vor allem bei höherem Einstiegsalter die garantierte Leistung bei weitem.“ Diese Rechnung bezieht sich auf Einzahlungen bis zum (in der Regel) 85. Lebensjahr. Wer bis zu diesem Zeitpunkt einzahlt, macht mit Sterbegeldversicherungen tatsächlich kein gutes Geschäft. Die Rechnung ist allerdings offensichtlich unsinnig: Wer im Alter von 40 eine Risikolebensversicherung mit Laufzeit bis zum 65. Lebensjahr abschließt und dieses Lebensjahr erreicht, zahlt rückblickend ebenfalls zu viel – wie bei jeder Risikoversicherung, die nicht in Anspruch genommen werden muss. Die Versicherungssumme wäre aber im Fall eines früheren Todeszeitpunkts und damit einhergehend deutlich geringeren Einzahlungen ebenfalls ausgezahlt worden. Die Risikokomponente ist mit Kosten verbunden, die im hohen Lebensalter naturgemäß höher ausfallen.

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Rendite ist nicht das Primärziel einer Sterbegeldversicherung

Icon_Content_GebuehrenSo kommen die Verbraucherschützer auch selbst zu dem Schluss: „Rechnerisch lohnt sich eine Sterbegeldversicherung nur, wenn der Versicherte kurz nach Ablauf der Wartefrist verstirbt und noch nicht allzu viel einbezahlt hat.“

Die Verbraucherschützer übersehen hier ein entscheidendes Detail: Sterbegeldversicherungen werden nicht unter dem Gesichtspunkt einer möglichst hohen Rendite abgeschlossen, sondern dienen ausschließlich dem Schutz der Angehörigen vor hohen Bestattungskosten. Durch diese falsche, angenommene Zielsetzung kommen die Verbraucherschützer zu weiteren unrichtigen Schlüssen.

So wird vorgerechnet, dass ein 65jähriger beim Abschluss einer im verlinkten Beitrag namentlich genannten Sterbegeldversicherung mit einem monatlichen Beitrag von 28,85 € bis zum Erreichen des 85. Lebensjahres und der dann eintretenden Beitragsfreistellung insgesamt 6974 € einzahlen muss, um eine Versicherungssumme von 5.000 € zu erhalten.

Die Stiftung Warentest kennt eine Alternative: „Würde ein Sparer, anstatt eine Sterbegeldversicherung abzuschließen, einen Sparplan bei seiner Bank abschließen und jeden Monat 28,85 Euro einzahlen, hätte er nach zehn Jahren 4 033 Euro auf dem Konto. Auch dieser Rechnung liegt ein Zinssatz von 3 Prozent zugrunde.“

Als der Beitrag erschien, war der angenommene Zinssatz von 3,0% noch durchaus realistisch. Ansonsten aber macht die Rechnung keinen Sinn: Es versteht sich von selbst, dass Ersparnisbildung unter Ausschluss jeglicher Risikovorsorge kostengünstiger ist als Ansparen mit Todesfallabsicherung – zumal diese bei Sterbegeldversicherungen für ein bereits fortgeschrittenes Lebensalter vereinbart wird.

Der Sparer im angenommenen Beispiel weiß zu Beginn seiner Bemühungen nicht, wann der Todesfall eintritt. Verstirbt er nach 48 Monaten, wurden gerade einmal 1385 € in den Sparplan eingezahlt, mit denen die Kosten der Bestattung keinesfalls abgedeckt werden können. Die Wartezeit der meisten Sterbegeldversicherungen ist zu diesem Zeitpunkt längst abgelaufen, so dass im Todesfall die Versicherungssumme von 5.000 nebst angelaufener Überschussbeteiligung und Schlussbonus ausgezahlt wird. Darüber hinaus erhalten Versicherungsnehmer bei vielen Policen bei Todesfällen während der Wartezeit die eingezahlten Beiträge zurück, so dass die Position im Vergleich zu einem simplen Sparplan während der Wartezeit nicht schlechter, danach aber deutlich besser ist.

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Solidarität wird durch die bezahlt, die sehr alt werden

Icon_Content_RegulierungWird die Situation eines Sparplan-Sparers und eines Versicherungsnehmers für einen Zeitraum von 20 Jahren bezogen auf jedes einzelne Jahr gegenübergestellt, ergibt sich ein völlig anderes Bild als in der Analyse der Verbraucherschützer. Wirklich „teuer“ im Sinne von kumulierten Einzahlungen oberhalb der Versicherungssumme werden Sterbegeldversicherungen nur für Versicherungsnehmer, die sehr alt werden.

Wer früher stirbt, erhält eine größere Leistung aus dem Todesfallschutz als im Gegenzug als Prämien dafür gezahlt wurden. Wie jede Risikoversicherung wird somit auch die Sterbegeldversicherung letztlich von denen gezahlt, bei denen das Risiko nicht (vor dem Ansparen der Versicherungssumme) eintritt.

Versicherungswirtschaft kritisiert Verbraucherschützer

GDV

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft nahm im Jahr 2010 zu einem Produkttest der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2009 Stellung. Auch wenn sich die Stellungnahme nicht auf den oben genannten Beitrag der Verbraucherschützer bezieht, können Auszüge daraus eins zu eins dazu wiedergegeben werden. So versucht der GdV die Darstellung von Test.de zu entkräften:

„Zu beachten ist die Heterogenität der zu unterstellenden Lebenserwartung: Grundsätzlich ist es gerade bei Sterbegeldversicherungen nicht adäquat von über alle potentiellen Kunden identischen Lebenserwartungen auszugehen. Sterbegeldversicherungen werden häufig dann nachgefragt, wenn die Möglichkeit des eigenen Todes verstärkt in das Bewusstsein tritt. Das steht häufig in Zusammenhang mit der subjektiven Einschätzung der persönlichen Gesundheit. Gerade Ältere haben hier gute Kenntnisse.

Nach einer Studie des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels  haben Menschen, die nach eigenen Angaben mit ihrer Gesundheit unzufrieden ist, tatsächlich eine deutlich kürzere Restlebenserwartung als gleichaltrige Mitmenschen ohne Risikofaktoren. Im Falle eines 50-Jährigen wird der Effekt auf über 18 Jahre geschätzt. Die Finanztest-Methode unterstellt jedoch implizit, dass alle potentiellen 65-jährigen Kunden 85 Jahre alt würden und misst daran die „Rendite“ einer Sterbegeldversicherung. Wegen der Heterogenität der individuellen Lebenserwartungen sind die Schlussfolgerungen daraus für viele Interessenten an einer Sterbegeldversicherung jedoch falsch.“

Fernere Lebenserwartung deutlich unter 85 Jahren

Icon_Content_KuendigungInsbesondere der letzte Punkt verdeutlicht, dass die Verbraucherschützer von falschen Annahmen ausgehen: Selbst wenn der Abschluss einer Sterbegeldversicherung als Merkmal nicht im Zusammenhang mit der Restlebenserwartung steht, erreicht nur ein Teil der Versicherungsnehmer das Alter der Beitragsfreistellung. Allen Versicherungsnehmern wird nach der Wartezeit jedoch die Versicherungssumme ausgezahlt, wenn der Versicherungsfall eintritt.

Wie hoch die verbleibende Lebenserwartung eines 65jährigen Versicherungsnehmers ist, lässt sich auf den Internetseiten des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung erfahren. Dort heißt es: „Berechnet wird die durchschnittliche Lebenserwartung mit Hilfe der Sterbetafel. Dies erfolgt für jedes einzelne Altersjahr über die altersspezifischen Sterbewahrscheinlichkeiten. Am bekanntesten ist dabei die Lebenserwartung bei Geburt, sie liegt nach der Sterbetafel 2009/2011 im Durchschnitt für Männer bei 77,72 Jahren und für Frauen bei 82,73 Jahren. Bei der Lebenserwartung für die anderen Altersjahre spricht man von der ferneren durchschnittlichen Lebenserwartung. Sie liegt beispielsweise für 65-jährige Männer bei weiteren 17,48 und für gleichaltrige Frauen bei 20,68 Jahren.“

Es darf angenommen werden, dass Sterbegeldversicherungen zumindest bislang kein Finanzprodukt für wohlhabende Senioren sind, sondern primär durch Menschen mit wenig Geld abgeschlossen werden. Es gibt verschiedene Studien, denen zufolge die Lebenserwartungen von Menschen mit geringem Einkommen sinkt. Ein Beitrag dazu findet sich beim Robert Koch-Institut:

„Die Ergebnisse zeigen, dass Frauen und Männer, deren Einkommen unterhalb der Armutsrisikogrenze liegen, ein im Verhältnis zur höchsten Einkommensgruppe um das 2,4- bzw. 2,7-Fache erhöhtes Mortalitätsrisiko haben. Infolgedessen erreicht in der niedrigen Einkommensgruppe ein deutlich geringerer Anteil der Frauen und Männer das 65. Lebensjahr (Abbildung 1). Von den Frauen, die einem relativen Armutsrisiko unterliegen, trifft dies auf 84 % zu, während es von den relativ wohlhabenden Frauen 93 % sind. Bei Männern betragen die Vergleichswerte 69% in der niedrigen und 87 % in der hohen Einkommensgruppe. Unter Einbeziehung der mittleren Einkommensgruppen lässt sich die Aussage treffen, dass die Chance, 65 Jahre oder älter zu werden, mit steigendem Einkommen sukzessive zunimmt.“

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Die Testkriterien der Stiftung Warentest

Icon_Content_ChecklisteIm durch den  GdV kritisierten Beitrag der Stiftung Warentest aus der August-Ausgabe des Jahres 2009 trafen die Verbraucherschützer mehrere unrealistische Annahmen. Schon die Einleitung weist darauf hin, zu welchen Schluss die Untersuchung kommen muss: „Seit Jahren rät Finanztest von Sterbegeldversicherungen ab. Sie sind in der Regel zu teuer und wenig kundenfreundlich“  Wo ein solches Urteil als einleitende Bemerkung dient, sollten handfeste Argumente folgen. Das war jedoch nicht der Fall, wie ein Blick auf die Testkriterien belegt:

„Im Test waren Sterbegeldversicherungen von 30 Lebensversicherern und 14 Sterbekassen für 45-jährige und 65-jährige Modellkunden. Die Versicherungssumme betrug 5.000 Euro und die Beitragszahlungsdauer 20 Jahre. Wichtigste Prüfkriterien waren:

  • Kosten und Beiträge der Tarife sollten in einem günstigen Verhältnis stehen,
  • die Versicherungsbedingungen der Verträge verbraucherfreundlich sein
  • und die Angebote dem Vergleich mit einer sicheren, verzinsten Geldanlage plus Todesfallabsicherung durch eine Risikolebensversicherung standhalten.“

Die Kriterien werfen eine Reihe von Fragen auf. Was ist ein „günstiges Verhältnis“ von Kosten und Beiträgen? Der Umstand, dass bei Erreichen des 85. Lebensjahres die kumulierten Prämien die Versicherungssumme übersteigen könnten ist keinesfalls ein Hinweis auf ein „ungünstiges“ Verhältnis – schließlich wurde für diesen Zeitraum der (nicht kapitalbildende) Risikoschutz in Anspruch genommen. Wann sind Versicherungsbedingungen „verbraucherfreundlich“? Das Postulat allein reicht nicht aus und lädt ohne konkretere Ausführungen zur Beliebigkeit ein.

Auch das dritte Kriterium ist fragwürdig: Versicherungsnehmer ab 65 haben nahezu keine Möglichkeit, eine Risikolebensversicherung ohne Gesundheitsfragen abzuschließen und stehen dementsprechend nicht vor der Wahl. Zu den produktspezifischen Besonderheiten von Sterbegeldversicherungen gehört gerade der Todesfallschutz bis ins hohe Alter.

Die Stiftung Warentest musste das selbst feststellen: „Nur für die Gruppe der 45-jährigen gab es drei Angebote, die alle drei Anforderungen erfüllten: von der Debeka, der HDH und der SDK. Dennoch sind auch diese Tarife nicht für jeden geeignet. Debeka und SDK stellen Gesundheitsfragen. Sie können Interessenten ablehnen. HDH verzichtet zwar auf Gesundheitsfragen. Doch in den Tarifen ohne Gesundheitsfragen gibt es immer eine Wartezeit, in der Angehörige des Verstorbenen nur einen Teil der Versicherungssumme erhalten. Das gilt auch für die HDH. Neukunden über 55 Jahre müssen mit einer Wartezeit von drei Jahren leben. Bei jüngeren Kunden beträgt die Wartezeit nur sechs Monate. Für sie ist der Tarif der HDH geeignet.“

Die Kritik der Verbraucherschützer bei der Stiftung Warentest am Konzept der Sterbegeldversicherung lässt also einige Fragen offen. Wie kann ein Sparplan eine Alternative zu Sterbegeld sein, wenn kein Todesfallschutz integriert ist und das Ziel der Absicherung der Angehörigen gar nicht (bzw. nur bei einem späten Tod) erreicht wird? Ist die Kombination aus Sparplan und Risikolebensversicherung tatsächlich günstiger als eine Police, wenn sie erst im Rentenalter begonnen wird? Was spricht dagegen, eine schnelle Absicherung der Hinterbliebenen zu erreichen und im Falle eines langen Lebens eine Prämie für diese Absicherung zu bezahlen?

Fazit

Icon_Content_FazitDie Stiftung Warentest hält Sterbegeldversicherungen seit Jahren für zu teuer und rät, von einigen Ausnahmen abgesehen, vom Abschluss ab. Die vermeintlichen Alternativen zum Sterbegeld sind aber oft keine bzw. führen nicht zwingend zu einer Kostenersparnis. Ein simpler Banksparplan deckt die Kosten einer Bestattung erst nach vielen Jahren, während der Schutz der Sterbegeldversicherung sofort oder nach dem Eintritt der Wartezeit gilt. Risikolebensversicherungen sind für Versicherungsnehmer im Rentenalter entweder gar nicht oder nur zu hohen Kosten erhältlich. Die Kritik der Versicherungswirtschaft an den Testkriterien und Auswertungen der Verbraucherschützer hat deshalb durchaus Substanz.

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