Sterbegeldversicherung kündigen: Fristen, Kosten und Alternativen

19. Oktober 2015

Inhaltsverzeichnis

    • Kündigung nur gegen Abzüge möglich
  • Sterbegeldversicherung kündigen: Regeln, Abzüge und Alternativen
  • Kündigung zum Ende jeder Versicherungsperiode möglich
  • Muster zur Kündigung einer Sterbegeldversicherung
  • Versicherer kürzt Rückkaufswert um Abzüge
  • Abzüge vom Rückkaufswert pauschal oder kapitalmarktabhängig
  • Abzüge für Solvenzmittel
  • Alternative zur Kündigung I: Beitragsfreistellung
  • Alternative zur Kündigung II: Verkauf auf dem Zweitmarkt
  • Zweitmarkt lohnt sich für alte Versicherungsnehmer
  • Wann ist eine Kündigung wirtschaftlich sinnvoll?
  • Fazit

Kündigung nur gegen Abzüge möglich

Versicherungsnehmer können Sterbegeldversicherungen zum Ende jeder Versicherungsperiode kündigen. Dann wird der angelaufene Rückkaufswert abzüglich der in den jeweiligen Bedingungen des Versicherers festgelegten Abschläge ausgezahlt. Versicherte, die ihre Sterbegeldversicherung kündigen möchten oder aus finanziellen Gründen zu diesem Schritt gezwungen sind, sollten Beitragsfreistellung und Verkauf der Police als Alternative in Betracht ziehen.

Sterbegeldversicherung kündigen: Regeln, Abzüge und Alternativen

bullet_point_check Versicherungsnehmer können zum Ende jeder Versicherungsperiode kündigen
bullet_point_check Ausgezahlt wird der um Abzüge gekürzte Rückkaufswert
bullet_point_check Die Höhe der Abzüge bestimmen die Versicherungsbedingungen
bullet_point_check Beitragsfreistellung und Verkauf der Police sind mögliche Alternativen
bullet_point_check Ob eine Kündigung wirtschaftlich sinnvoll ist hängt von verschiedenen Umständen ab

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Da das mit einer Sterbegeldversicherung versicherte Risiko definitiv nicht entfällt gibt es nur relativ wenige Gründe, aus denen heraus eine Kündigung motiviert werden kann. Ein Teil der „abtrünnigen“ Versicherungsnehmer kann die laufenden Beiträge aus dem persönlichen Einkommen heraus nicht mehr aufbringen, andere sehen aufgrund ausreichender Reserven keine Notwendigkeit mehr für den Versicherungsschutz und die damit verbundenen Kosten für die Risikokomponente des Vertrags.

 

Kündigung zum Ende jeder Versicherungsperiode möglich

Bei den meisten Versicherern entspricht die Versicherungsperiode der Beitragszahlungsperiode. Die Kündigung ist üblicherweise zum Ende jeder Versicherungsperiode möglich. Wurde jährliche Beitragszahlung vereinbart, ist die Kündigung somit zum Ende eines Beitragszahlungsjahres möglich. Die Kündigung muss schriftlich übermittelt werden. Versicherungsnehmer besitzen ein vertragliches Recht auf die Kündigung ihrer Police; der Versicherer kann nicht auf die fortgesetzte Zahlung der Beiträge über die wirksame Kündigung hinaus bestehen.

Alle wichtigen Sterbegeld Anbieter im Vergleich

Muster zur Kündigung einer Sterbegeldversicherung

Icon_Content_vorlage_musterDie meisten Versicherer setzen eine Kündigung in Schriftform voraus, einige Anbieter nehmen Kündigungsschreiben auch über gesicherte, virtuelle Kundencenter entgegen. Im Kündigungsschreiben sollten die beim Versicherer hinterlegten, vollständigen Kontaktdaten des Versicherungsnehmers sowie die im Versicherungsschein vermerkten Nummern angeführt werden. Nachfolgend ein einfaches Beispiel für ein  mögliches Kündigungsschreiben:


Betreff: Versicherungsschein Nummer 123456

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Hiermit kündige ich meine Sterbegeldversicherung mit der Versicherungsscheinnummer 123456 zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte bestätigen Sie mir den Eingang meines Kündigungsschreibens und teilen Sie mir mit, innerhalb welchen Zeitraums ich nach der Bekanntgabe des berechneten Rückkaufswertes von der Kündigung zurücktreten kann.

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Viele Sterbegeldversicherungen werden mit einer jährlichen Dynamikoption ausgestattet. Die Versicherungssummen, aber auch die laufenden Beiträge erhöhen sich dadurch jedes Jahr um einen festgelegten Prozentsatz. Versicherungsnehmer können der Dynamik jedes Jahr widersprechen. Häufig führt ein Widerspruch jedoch zum Verzicht auf alle nachfolgenden Dynamisierungen. Ein Musteranschreiben zum Widerspruch gegen die Dynamik:

Betreff: Versicherungsschein Nummer 123456

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Hiermit widerspreche ich für meine Sterbegeldversicherung mit der Versicherungsscheinnummer 123456 der Dynamisierung von Beitrag und Versicherungssumme zur nächsten Versicherungsperiode. Bitte betrachten Sie dieses Schreiben als gegenstandslos und die ausgesprochene Kündigung als unwirksam, wenn der Widerspruch gegen die Dynamik den Verlust des Anspruches auf weitere Dynamisierungen in der Zukunft bedeuten würde. 

Wird eine Beitragsfreistellung angestrebt und ist nicht klar, ob die beitragsfreie Versicherungssumme den Mindestbetrag gemäß der Bedingungen des jeweiligen Versicherers erreicht, sollte dies zuvor in Erfahrung gebracht werden. Ansonsten wird der Versicherer den Rückkaufswert um Abzüge kürzen und auszahlen. Auch dazu ein mögliches Musteranschreiben.

Betreff: Versicherungsschein Nummer 123456

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Hiermit beantrage ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Beitragsfreistellung meiner Sterbegeldversicherung mit der Versicherungsscheinnummer 123456. Dieser Antrag ist unwirksam, wenn die beitragsfreie Versicherungssumme den Mindestwert gemäß Ihrer AVB unterschreitet und es dadurch zur Auszahlung des Rückkaufswertes käme. Bitte teilen Sie mir in diesem Fall mit, zu welchem Zeitpunkt die beitragsfreie Versicherungssumme durch eine Fortsetzung der Prämienzahlungen den Mindestwert erreichen wird.

Versicherer kürzt Rückkaufswert um Abzüge

Wird die Versicherung vollständig gekündigt, erhält der Versicherungsnehmer den um vertraglich vereinbarte Abzüge gekürzten Rückkaufswert der Police ausgezahlt. Auch ohne Abzüge liegt der Rückkaufswert in den ersten Jahren nach Vertragsabschluss deutlich unter der Summe der eingezahlten Beiträge. Das hat zwei Gründe. Erstens entfällt ein wesentlicher Teil der Prämien zu Sterbegeldversicherung auf den Risikoschutz, der nicht zum Anwachsen des Vertragsguthabens führt. Zweitens verteilen Versicherer die Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre nach Vertragsabschluss, so dass auch vom Sparanteil der Prämie ein wesentlicher Teil nicht in das Vertragsguthaben einfließt.

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Abzüge vom Rückkaufswert pauschal oder kapitalmarktabhängig

Im Fall der Debeka Versicherungen setzen sich die Abzüge aus zwei Komponenten zusammen. Erstens wird ein Abzug von 0-15 % vom Rückkaufwert vorgenommen, dessen genaue Höhe sich an der Kapitalmarktsituation ausrichtet. In § 14 Abs. 5 des Bedingungswerkes der Debeka heißt es dazu: „Der Abzug ist abhängig von dem Null-Kupon-Euro-Zinsswapsatz mit einer Laufzeit von zehn Jahren, der von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht wird. (…) Die Höhe des Abzugs richtet sich nach der Differenz, die sich aus einem Vergleich dieses Zinsswapsatzes im dritten Monat vor dem Beendigungstermin mit dem im gleichen Monat gebildeten Zehn-Jahres-Durchschnitt dieses Zinsswapsatzes ergibt.“

Beträgt die so ermittelte Differenz weniger als 0,5 % Punkte, verzichtet der Versicherer auf einen Abzug von Rückkaufswert. 5 % Abzug werden vorgenommen, wenn die Differenz zwischen 0,5 % und 1,0 % liegt. Der Abzug beträgt 10 %, wenn die Differenz zwischen 1,0 und 1,5 % erreicht und 15 % wenn die Differenz 1,5 % oder mehr beträgt.

Bei anderen Versicherern werden einfache Regeln für die Abzüge im Fall einer Kündigung festgelegt. So wird z. B.  die zeitliche Distanz vom Zeitpunkt der Kündigung bis zur planmäßigen Beitragsfreistellung des Vertrages um zehn Jahre gekürzt und für jedes Jahr ein Abzug von 1,0 % vorgenommen.

Abzüge für Solvenzmittel

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Die zweite mögliche Komponente des Abzugs betrifft sogenannte Solvenzmittel. In den Versicherungsbedingungen zum Sterbegeld der Debeka Versicherung ist diese Abzugsmöglichkeit in § 14 Abs. 6 geregelt: „Als Ausgleich für kollektiv gestelltes Risikokapital erfolgt ein Abzug, der in Prozent des Deckungskapitals erhoben wird. Aufgrund einer gesetzlichen Verpflichtung müssen wir für jeden Vertrag ausreichende Mittel zur Risikoabsicherung bilden (Solvenzmittel). Zu Beginn Ihres Vertrags können die zur Erfüllung unserer Leistungsverpflichtung erforderlichen Solvenzmittel Ihres Vertrags nicht allein durch Ihre eingezahlten Beiträge und die durch diese erwirtschafteten Erträge abgedeckt werden. Daher werden die Solvenzmittel Ihres Vertrags zunächst von dem Versichertenbestand vorfinanziert und während der Laufzeit Ihres Vertrags wieder an diesen zurückgeführt. Bei einer Vertragskündigung wird diese Rückführung zulasten des verbleibenden Versichertenbestands beendet. Dies muss im Rahmen des Abzugs ausgeglichen werden. Der Abzug beträgt 5 % des Deckungskapitals.“ 

  • Nur ein Teil der Prämien fließt auf das Vertragskonto
  • ein Teil der Beiträge wird für den Risikoschutz abgezogen
  • der verbleibende Teil wird um Verwaltungsrat Abschlusskosten gekürzt
  • die Abschlusskosten werden auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilt
  • der verbleibende Rückkaufswert wird bei Kündigungen Abzüge gekürzt
  • Abzüge von 5-15 % sind marktüblich
  • zusätzlich können Abzüge für Insolvenzmittel anfallen (zum Beispiel 5 %) 

Im Resultat erhalten Versicherungsnehmer, die ihre Sterbegeldversicherung kündigen somit nur einen Bruchteil der eingezahlten Beiträge zurück. Je früher eine Versicherung gekündigt wird, desto geringer ist der Rückkaufswert. Das liegt erstens an der im frühen Vertragsstadium noch geringen Summe der eingezahlten Beiträge. Zweitens fließt gerade in den Anfangsjahren ein nur geringer Teil der Prämie dem Vertragskonto zu. Je geringer das Vertragsguthaben, desto größer ist der Abzug für den Risikoschutz. In den ersten fünf Jahren werden zudem die Abschlusskosten abgezogen.

Alternative zur Kündigung I: Beitragsfreistellung

Icon_Content_ChecklisteEs gibt grundsätzlich zwei Wirkungen, die mit der Kündigung einer Sterbegeldversicherung beabsichtigt werden können. Erstens kann gewünscht sein, die monatliche Kostenbelastung durch das Einsparen der regelmäßigen Prämien zu reduzieren. Zweitens kann die Freisetzung der eingesparten Mittel zur Finanzierung anderer Vorhaben gewünscht sein. Ersteres lässt sich auch durch eine Beitragsfreistellung erreichen, die in der Regel sehr viel kostengünstiger ist als die Kündigung.

Versicherungsnehmer können die Beitragsfreistellung ihrer Police jederzeit zum Ende einer Versicherungsperiode verlangen. Der Versicherer setzt in diesem Fall die Versicherungssumme auf eine „beitragsfreie Summe“ herab. Als Basis für diese beitragsfreie Summe gilt der Rückkaufswert. Abzüge wie bei einer Kündigung werden nicht vorgenommen. Allerdings fällt auch bei einer Beitragsfreistellung die verbleibende Versicherungssumme zumeist geringer aus als die Summe der eingezahlten Beiträge. Das ist insbesondere auf die Abschlusskosten zurückzuführen.

Beitragsfreistellung nach kurzer Zeit nicht möglich

Icon_Content_VorsorgeVor allem wenn ein Vertrag in einem relativ frühen Stadium beitragsfrei gestellt werden soll, müssen Versicherungsnehmer mit einer Ablehnung des Versicherers zu diesem Schritt rechnen. In diesem Fall wird der Versicherer den Vertrag vollständig kündigen. In § 11 Abs. 3 der Bedingungen der Debeka findet sich dazu ein branchenüblicher Hinweis: „Haben Sie die vollständige Befreiung von der Beitragszahlungspflicht verlangt und erreicht die nach Absatz 1 berechnete beitragsfreie Versicherungssumme den Mindestbetrag von 500 Euro nicht, erhalten Sie den Rückkaufswert nach § 14 Abs. 3 bis 8. Eine teilweise Befreiung von der Beitragszahlungspflicht können Sie nur verlangen, wenn die verbleibende beitragspflichtige Versicherungssumme mindestens 1.000 Euro beträgt.“

Hier gilt es zu berücksichtigen, dass bei einer Beitragsfreistellung das angelaufene Vertragsguthaben zur Finanzierung des (auf die beitragsfreie Versicherungssumme herababgesetzten) Risikoschutzes ausreichen muss – und zwar bis zum Eintritt des Versicherungsfalls. Vor allem in den ersten Jahren nach dem Vertragsabschluss müsste die Versicherungssumme dabei sehr stark herabgesetzt werden, so das die Einschränkung mit dem Mindestbetrag von 500 € zum Tragen kommt.

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Alternative zur Kündigung II: Verkauf auf dem Zweitmarkt

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Versicherungsnehmer, die eine Sterbegeldversicherung kündigen möchten um das bereits angesparte Guthaben freizusetzen, sollten einen Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt als Alternative in Betracht ziehen. Der deutsche Zweitmarkt für Lebensversicherungen ist mittlerweile relativ weit entwickelt, so dass sich für Policen mit Rückkaufswert ab ca. 5000 € relativ schnell Käufer finden lassen. Dies ist etwa über einschlägige Plattformen oder Vermittler möglich.

Zweitmarkt lohnt sich für alte Versicherungsnehmer

Icon_Content_GebuehrenBei dem Verkauf an einen Investor führt dieser den Vertrag bis zum Ende fort, so dass keine Abzüge für die Kündigung anfallen. Dadurch lässt sich im besten Fall neben der Rendite für den Investor auch ein besseres Ergebnis für den Verkäufer erzielen. Während der Verkauf von Lebensversicherungen auf dem Zweitmarkt sehr häufig einen Gewinn für beide Seiten darstellt, ist dies bei Sterbegeldversicherungen aufgrund des lebenslangen  Risikoschutzes  nicht zwingend der Fall.

Der Verkauf von Sterbegeldversicherungen auf dem Zweitmarkt lohnt sich insbesondere für Versicherungsnehmer im fortgeschrittenen Alter, deren Vertragsguthaben durch die laufende Überschussbeteiligung bereits die Versicherungssumme übersteigt. Auch in diesem Fall fallen für die Kündigung zu Lebzeiten hohe Kosten an, die sich einem Verkauf der Police im Stadium der Beitragsfreistellung verringern lassen.

Wann ist eine Kündigung wirtschaftlich sinnvoll?

Die Kündigung einer laufenden Sterbegeldversicherung ist grundsätzlich nicht empfehlenswert. Erstens lässt sich nur in seltenen Fällen (und nach langer Beitragszahlungsdauer) eine nennenswerte Auszahlung erreichen, da die Abzüge bei einer Kündigung durch den Versicherungsnehmer beträchtlich sind und die Renditen der Verträge ohnehin nicht in den Himmel wachsen. Zweitens wird durch die Kündigung das wesentliche Ziel – die Absicherung der Angehörigen gegen die Bestattungskosten – aufgegeben. Drittens lässt sich, wenn die laufenden Einzahlungen aus eigenen Mitteln nicht mehr aufgebracht werden können, durch eine Beitragsfreistellung eine Teillösung im Sinne der Angehörigen erreichen.

Fazit

Icon_Content_FazitDie Kündigung einer Sterbegeldversicherung ist jederzeit zum Ende einer Versicherungsperiode möglich, jedoch nur selten eine gute Entscheidung. Die Versicherer nehmen beträchtliche Abzüge von bis zu 20 % vom ohnehin durch die Abschlusskosten verringerten Rückkaufswert vor. Besser als eine Kündigung ist die bei jedem Versicherer mögliche Beitragsfreistellung oder der Verkauf der Police auf dem Zweitmarkt. Letzterer lohnt sich insbesondere für ältere Versicherungsnehmer, deren Vertrag bereits im Stadium der Beitragsfreistellung ist.

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